Freiwilliges Praktikum: Rechte, Mindestlohn, Urlaub und Dauer

Freiwilliges Praktikum geplant? Erfahre, wann Mindestlohn gilt, wie lange das Praktikum dauern darf und welche Rechte du bei Urlaub und Arbeitszeit hast.

Ein freiwilliges Praktikum machst du nicht, weil Schule, Ausbildungsordnung oder Hochschule es zwingend vorschreiben, sondern weil du selbst praktische Erfahrungen sammeln möchtest.

Was ist der Unterschied zum Pflichtpraktikum?

Beim Pflichtpraktikum schreibt eine rechtliche Ausbildungs- oder Studienregelung das Praktikum vor. Beim freiwilligen Praktikum entscheidest du dich selbst dafür.

Bekommst du im freiwilligen Praktikum Mindestlohn?

Grundsätzlich gelten Praktikantinnen und Praktikanten nach dem Mindestlohngesetz als Arbeitnehmer. Es gibt allerdings wichtige Ausnahmen.

Kein Mindestlohn ist vorgeschrieben, wenn du ein Praktikum von höchstens drei Monaten zur Orientierung für eine Berufsausbildung oder ein Studium machst.

Ebenfalls ausgenommen kann ein höchstens dreimonatiges freiwilliges Praktikum sein, das eine Berufs- oder Hochschulausbildung begleitet, sofern die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllt sind.

Für 2026 beträgt der gesetzliche Mindestlohn 13,90 Euro brutto pro Stunde.

Was passiert bei mehr als drei Monaten?

Ein freiwilliges Orientierungs- oder ausbildungsbegleitendes Praktikum, das länger als drei Monate dauert, wird nicht einfach erst ab dem vierten Monat mindestlohnpflichtig. Wird die Ausnahme überschritten, kann der Mindestlohn für das gesamte Praktikum ab dem ersten Tag relevant werden.

Und nach dem Studium?

Ein freiwilliges Praktikum nach einem abgeschlossenen Studium fällt normalerweise nicht mehr unter die Ausnahme eines Praktikums zur Orientierung für die Aufnahme eines Studiums oder eines studienbegleitenden Praktikums.

Bekommst du Urlaub?

Bei freiwilligen Praktika, die arbeitsrechtlich als entsprechendes Beschäftigungs- beziehungsweise Praktikumsverhältnis einzuordnen sind, spielt das Bundesurlaubsgesetz eine wichtige Rolle.

Der gesetzliche Mindesturlaub entspricht bei einer üblichen Fünf-Tage-Woche 20 Arbeitstagen pro Jahr. Der volle Anspruch wird grundsätzlich nach sechs Monaten erworben. Vorher kann für jeden vollen Monat ein Zwölftel des Jahresurlaubs entstehen.

Wie sieht es mit den Arbeitszeiten aus?

Für erwachsene Arbeitnehmer sieht das Arbeitszeitgesetz grundsätzlich acht Stunden werktägliche Arbeitszeit vor. Bis zu zehn Stunden sind möglich, sofern der gesetzlich vorgeschriebene Ausgleich erfolgt.

Warum ein schriftlicher Praktikumsvertrag sinnvoll ist

Halte möglichst vor dem ersten Tag fest, worauf ihr euch geeinigt habt: Lernziele und Aufgaben, Beginn und Ende, Arbeitszeit, Einsatzort, Betreuung, Vergütung, Urlaub beziehungsweise freie Tage, Verhalten bei Krankheit, Überstunden und Zeugnis.

Wie lange sollte ein freiwilliges Praktikum dauern?

So lange wie nötig – aber nicht einfach so lange wie möglich. Vorsicht ist geboten, wenn ein Unternehmen monatelange Praktika anbietet, bei denen ständig dieselben Routinetätigkeiten erledigt werden.

Fazit

Ein freiwilliges Praktikum kann für deine berufliche Entwicklung enorm wertvoll sein. Gerade weil du es freiwillig machst, solltest du aber genau auswählen und fragen: Was kann ich dort wirklich lernen?

Häufige Fragen

Was ist ein freiwilliges Praktikum?

Ein freiwilliges Praktikum ist nicht durch Schule, Ausbildung oder Studium vorgeschrieben. Du absolvierst es zur Berufsorientierung oder um praktische Erfahrungen zu sammeln.

Wann bekommt man Mindestlohn?

Bei einem freiwilligen Praktikum gilt grundsätzlich Mindestlohn. Ausnahmen bestehen insbesondere bei bestimmten Orientierungs- oder studienbegleitenden Praktika von höchstens drei Monaten.

Darf ein freiwilliges Praktikum unbezahlt sein?

Ja, wenn eine gesetzliche Ausnahme vom Mindestlohn greift. Lass Zweck, Dauer und Vergütung vor Beginn schriftlich festhalten.

Was gilt bei mehr als drei Monaten?

Bei einem freiwilligen Praktikum von mehr als drei Monaten besteht grundsätzlich ab dem ersten Tag Anspruch auf Mindestlohn, sofern keine andere Ausnahme greift.

Habe ich Urlaub?

Bei einem freiwilligen Praktikum besteht grundsätzlich ein anteiliger gesetzlicher Urlaubsanspruch. Die konkrete Zahl richtet sich nach Dauer und regelmäßigen Arbeitstagen.

Kann ich nach dem Studium ein freiwilliges Praktikum machen?

Ja. Nach abgeschlossenem Studium greifen die studentischen Ausnahmen jedoch meist nicht mehr; grundsätzlich ist daher der Mindestlohn zu zahlen.


Über diesen Ratgeber

planetpraktika.de beschäftigt sich seit dem Jahr 2000 mit Praktika und Berufseinstieg. Dieser Ratgeber wird redaktionell gepflegt und regelmäßig aktualisiert.

Zuletzt aktualisiert: 8. August 2026

Hinweis bei Rechtsthemen: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Rechtsberatung.

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