Recht & Geld
Unbezahltes Praktikum: Wann ist das 2026 erlaubt?
Wann darf ein Praktikum unbezahlt sein? Die Regeln zu Pflichtpraktikum, Drei-Monats-Grenze, Mindestlohn und Praktika unter 18 verständlich erklärt.
„Praktikum unbezahlt.“ Solche Stellenanzeigen gibt es weiterhin. Aber darf ein Unternehmen 2026 überhaupt noch ein unbezahltes Praktikum anbieten?
Manchmal ja. Manchmal eindeutig nein.
Grundsätzlich gilt Mindestlohn auch für Praktika
Der Ausgangspunkt des Mindestlohngesetzes ist: Praktikantinnen und Praktikanten gelten grundsätzlich als Arbeitnehmer im Sinne des Mindestlohngesetzes.
Seit dem 1. Januar 2026 beträgt der gesetzliche Mindestlohn 13,90 Euro brutto pro Stunde.
Pflichtpraktikum
Ist das Praktikum aufgrund einer schulrechtlichen Bestimmung, Ausbildungsordnung oder hochschulrechtlichen Bestimmung verpflichtend, besteht kein gesetzlicher Mindestlohnanspruch nach dem MiLoG.
Orientierungspraktikum bis drei Monate
Ein freiwilliges Praktikum von höchstens drei Monaten kann vom Mindestlohn ausgenommen sein, wenn es der Orientierung für eine Berufsausbildung oder für die Aufnahme eines Studiums dient.
Studien- oder ausbildungsbegleitendes Praktikum
Auch ein freiwilliges Praktikum von höchstens drei Monaten, das eine Berufs- oder Hochschulausbildung begleitet, kann unter gesetzlichen Voraussetzungen vom Mindestlohn ausgenommen sein.
Was passiert bei vier Monaten?
Dauert ein freiwilliges Orientierungs- oder ausbildungsbegleitendes Praktikum länger als drei Monate, kann das gesamte Praktikum ab dem ersten Tag mindestlohnpflichtig werden.
Was gilt für Minderjährige?
Personen unter 18 Jahren ohne abgeschlossene Berufsausbildung werden vom Mindestlohngesetz nicht als Arbeitnehmer im Sinne dieses Gesetzes erfasst.
Kein Mindestlohn heißt nicht „keine Rechte“
Arbeits- und Gesundheitsschutz, Jugendschutz, vertragliche Vereinbarungen und weitere Schutzvorschriften gelten unabhängig vom Mindestlohn.
Wann solltest du skeptisch werden?
Wenn Praktikanten regelmäßig monatelang eigenständig arbeiten, feste Schichten übernehmen, reguläre Mitarbeitende ersetzen und kaum Betreuung erhalten, sollte die tatsächliche rechtliche Einordnung geprüft werden.
Fazit
Unbezahlte Praktika sind in Deutschland nicht generell verboten. Aber die Ausnahmen vom Mindestlohn sind klar begrenzt.
Häufige Fragen
Sind unbezahlte Praktika erlaubt?
Ja, aber nur wenn kein gesetzlicher Mindestlohnanspruch besteht – etwa bei vorgeschriebenen Pflichtpraktika oder bestimmten freiwilligen Praktika bis zu drei Monaten.
Wie lange darf ein Praktikum unbezahlt sein?
Das hängt von der Praktikumsart ab. Bei bestimmten freiwilligen Orientierungs- oder studienbegleitenden Praktika liegt die Grenze regelmäßig bei drei Monaten; Pflichtpraktika folgen den Vorgaben der Ausbildung.
Was gilt nach drei Monaten?
Überschreitet ein freiwilliges Praktikum die Drei-Monats-Grenze, ist grundsätzlich für die gesamte Dauer ab dem ersten Tag Mindestlohn zu zahlen.
Wird ein Pflichtpraktikum bezahlt?
Nicht zwingend. Für vorgeschriebene Pflichtpraktika gilt der gesetzliche Mindestlohn grundsätzlich nicht; eine Vergütung kann dennoch vereinbart werden.
Bekommen Schüler Mindestlohn?
Bei einem verpflichtenden Schulpraktikum nicht. Minderjährige ohne abgeschlossene Berufsausbildung sind außerdem grundsätzlich vom gesetzlichen Mindestlohn ausgenommen.
Kann ich Mindestlohn nachfordern?
Wenn die gesetzlichen Voraussetzungen vorlagen, kann eine Nachforderung möglich sein. Sichere Vertrag und Arbeitszeitnachweise und lass Fristen sowie Einzelfall fachkundig prüfen.
Über diesen Ratgeber
planetpraktika.de beschäftigt sich seit dem Jahr 2000 mit Praktika und Berufseinstieg. Dieser Ratgeber wird redaktionell gepflegt und regelmäßig aktualisiert.
Zuletzt aktualisiert: 8. August 2026
Hinweis bei Rechtsthemen: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Rechtsberatung.
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