Praktikum anders als versprochen: So sprichst du Probleme an

Nur Hilfsarbeiten, keine Betreuung oder falsche Aufgaben? So klärst du Erwartungen, führst das Gespräch und entscheidest über einen Abbruch.

In der Ausschreibung klang das Praktikum abwechslungsreich. Im Gespräch war von Einblicken, eigenen Aufgaben und guter Betreuung die Rede. Im Alltag sortierst du jedoch nur Unterlagen, wartest auf Arbeit oder erledigst Tätigkeiten, die mit dem vereinbarten Bereich wenig zu tun haben. Das ist enttäuschend – aber noch nicht automatisch ein Grund, sofort abzubrechen.

Entscheidend ist, ob es sich um eine kurze Anlaufphase oder um ein grundsätzlich schlecht organisiertes Praktikum handelt. Ein guter erster Schritt ist deshalb: beobachten, konkret dokumentieren und früh das Gespräch suchen.

Die kurze Antwort

Vergleiche die tatsächlichen Aufgaben mit Ausschreibung, Gespräch und Vertrag. Sammle konkrete Beispiele, formuliere dein Lernziel und vereinbare ein ruhiges Gespräch mit deiner Ansprechperson. Bitte um klare Aufgaben und einen Zeitpunkt, an dem ihr die Veränderung überprüft. Bleibt alles unverändert oder werden Grenzen überschritten, beziehe Schule, Hochschule, Personalabteilung oder eine andere Vertrauensstelle ein.

Was wurde dir tatsächlich zugesagt?

Erwartungen entstehen an mehreren Stellen: in der Stellenanzeige, im Vorstellungsgespräch, in E-Mails, im Praktikumsvertrag und durch eigene Vorstellungen. Trenne deshalb zwischen einer konkreten Zusage und dem, was du dir erhofft hast.

Prüfe:

  • Welche Abteilung und welche Tätigkeiten wurden genannt?
  • Wurde ein eigenes Projekt oder nur „Mitarbeit“ versprochen?
  • Gibt es einen Praktikumsplan oder vereinbarte Lernziele?
  • Wer sollte dich betreuen?
  • Welche Dauer, Arbeitszeit und Rahmenbedingungen stehen im Vertrag?

Gelegentliche Routineaufgaben gehören fast überall dazu. Problematisch wird es, wenn du ausschließlich kopierst, Daten überträgst, Botengänge erledigst oder reguläre Mitarbeitende ersetzt. Im Mittelpunkt eines Praktikums sollte der Erwerb praktischer Kenntnisse stehen.

Nicht jeden schlechten Tag zum Gesamturteil machen

Gerade am Anfang können Zugänge fehlen, Zuständigkeiten unklar sein oder Kolleginnen und Kollegen unter Zeitdruck stehen. Auch in einem guten Praktikum gibt es Leerlauf und Aufgaben, die wenig spannend sind. Beobachte einige Tage lang, ob sich ein Muster zeigt.

Notiere sachlich:

  • Welche Aufgaben hast du erhalten?
  • Was hast du dabei gelernt?
  • Wie lange hattest du nichts zu tun?
  • Wen hast du um Arbeit oder Unterstützung gebeten?
  • Welche Antworten oder Zusagen gab es?

Eine solche Liste hilft dir, im Gespräch nicht pauschal zu sagen „Das Praktikum ist langweilig“, sondern konkrete Situationen zu beschreiben.

Bereite das Gespräch vor

Sprich das Problem nicht zwischen Tür und Angel an. Bitte um einen kurzen Termin und gehe mit einem Lösungsvorschlag hinein. Dein Ziel ist nicht, Schuld zu verteilen, sondern das Praktikum wieder auf seinen Lernzweck auszurichten.

Du könntest sagen:

Ich würde gern kurz über meine Aufgaben sprechen. In den vergangenen Tagen habe ich vor allem Daten übertragen und Ablage erledigt. Im Gespräch hatten wir auch Einblicke in die Projektarbeit vereinbart. Mir ist wichtig, während des Praktikums mehr über diesen Bereich zu lernen. Können wir festlegen, welche Aufgabe ich dort übernehmen kann?

Hilfreich sind drei Bausteine:

  1. Beobachtung: Was geschieht konkret?
  2. Lernziel: Was möchtest du kennenlernen oder üben?
  3. Bitte: Welche realistische Veränderung schlägst du vor?

Bitte um einen überschaubaren nächsten Schritt

Fordere nicht sofort einen komplett neuen Einsatzplan. Eine konkrete Aufgabe ist oft leichter umzusetzen: bei einem Termin zuhören, eine Recherche vorbereiten, einen Entwurf erstellen oder ein kleines Teilprojekt übernehmen. Vereinbart zugleich, wann ihr wieder darüber sprecht.

Zum Beispiel:

Können wir es für die kommende Woche so planen, dass ich bei zwei Kundenterminen dabei bin und die Recherche für das Projekt übernehme? Am Freitag könnten wir kurz besprechen, was ich daraus gelernt habe und wie es weitergeht.

Wenn sich nichts ändert

Bleibt es bei Versprechen ohne Veränderung, gehe schrittweise weiter:

  1. Sprich erneut mit deiner direkten Betreuung und beziehe dich auf die Vereinbarung.
  2. Wende dich an eine weitere verantwortliche Person, etwa Abteilungsleitung oder Personalabteilung.
  3. Bei einem Schul- oder Pflichtpraktikum informierst du frühzeitig Schule, Lehrkraft, Praktikantenamt oder Hochschule.
  4. Prüfe Vertrag, Kündigungsfrist und vorgeschriebene Dauer, bevor du einen Abbruch erklärst.

Bei Sicherheitsproblemen, Diskriminierung, Belästigung oder ernsthaften gesundheitlichen Belastungen musst du nicht erst mehrere Gesprächsrunden abwarten. Hole dir unmittelbar Unterstützung.

Durchhalten oder abbrechen?

Stelle dir vor der Entscheidung einige nüchterne Fragen:

  • Gibt es trotz der Probleme noch einen erkennbaren Lerneffekt?
  • Ist eine konkrete Verbesserung realistisch?
  • Hast du eine Person im Unternehmen, die dich unterstützt?
  • Welche Folgen hätte ein Abbruch für Schule oder Studium?
  • Welche Fristen stehen im Vertrag?
  • Gefährdet die Situation deine Gesundheit, Sicherheit oder persönlichen Grenzen?

Ein bekannter Unternehmensname allein macht ein schlechtes Praktikum nicht wertvoll. Umgekehrt muss ein Praktikum nicht perfekt sein, um nützliche Erfahrungen zu liefern. Entscheidend ist, ob du noch sinnvoll lernen kannst und respektvoll behandelt wirst.

Häufige Fragen

Muss ich im Praktikum auch einfache Aufgaben erledigen?

Ja. Ablage, Aufräumen oder kleine organisatorische Tätigkeiten kommen in vielen Teams vor. Sie sollten aber nicht dein gesamtes Praktikum bestimmen. Der Unterschied liegt zwischen „gehört gelegentlich dazu“ und „ich werde ausschließlich dafür eingesetzt“.

Soll ich sofort mit der Personalabteilung sprechen?

Meist ist die direkte Ansprechperson der erste Weg. Wenn sie selbst Teil des Problems ist, Absprachen ignoriert oder du dich bei einem direkten Gespräch unsicher fühlst, kannst du dich gleich an eine andere verantwortliche Stelle wenden.

Darf ich das Praktikum abbrechen?

Ein Abbruch kann möglich und manchmal sinnvoll sein. Prüfe aber vorher den Vertrag und bei einem Pflichtpraktikum die Vorgaben deiner Schule oder Hochschule. Bleibe nicht einfach unangekündigt fern.


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