Mobbing, Belästigung oder Diskriminierung im Praktikum: Hol dir Hilfe

Abwertung, Ausgrenzung, sexuelle Belästigung oder Diskriminierung im Praktikum: Situationen einordnen, dokumentieren und sicher Hilfe holen.

Ein Praktikum ist eine Lernsituation – kein Freibrief für Demütigungen, Ausgrenzung, anzügliche Bemerkungen oder Benachteiligung. Auch wenn du neu, jung oder nur für kurze Zeit im Betrieb bist, musst du respektloses Verhalten nicht hinnehmen.

Es kann schwer sein, eine Situation einzuordnen. Eine knappe Antwort an einem stressigen Tag ist noch nicht automatisch Mobbing. Wiederholte Abwertungen, gezielte Ausgrenzung, Drohungen oder persönliche Angriffe sind etwas anderes. Bei sexueller Belästigung, Gewalt oder akuter Bedrohung solltest du sofort Abstand gewinnen und Hilfe holen.

Die kurze Antwort

Sorge zuerst für deine Sicherheit. Schreibe anschließend möglichst zeitnah auf, was wann, wo und vor wem passiert ist. Wende dich an eine Person, der du vertraust – im Betrieb oder außerhalb. Bei einem Schul- oder Pflichtpraktikum gehören Lehrkraft, Schule, Hochschule oder Praktikantenamt zu den wichtigsten Anlaufstellen. Du musst die Situation nicht allein lösen und nicht erst beweisen, dass sie „schlimm genug“ ist, bevor du darüber sprichst.

Was ist ein Konflikt – und was geht zu weit?

In Teams entstehen Missverständnisse und Kritik. Sachliche Kritik bezieht sich auf eine Aufgabe und erklärt, was verbessert werden soll. Persönliche Herabsetzung greift dich als Menschen an.

Warnzeichen sind zum Beispiel:

  • wiederholtes Lächerlichmachen oder Anschreien,
  • bewusstes Ausgrenzen aus Gesprächen und Pausen,
  • beleidigende Bemerkungen über Herkunft, Geschlecht, Religion, Behinderung, Alter oder sexuelle Identität,
  • unerwünschte anzügliche Nachrichten, Kommentare oder Berührungen,
  • Drohungen oder Druck, über Vorfälle zu schweigen,
  • absichtliches Vorenthalten wichtiger Informationen, damit du Fehler machst,
  • Vergeltung, nachdem du ein Problem angesprochen hast.

Du musst nicht selbst die endgültige juristische Bezeichnung finden. Es genügt, dass das Verhalten deine Grenzen verletzt oder dich belastet.

Bei akuter Gefahr: Geh aus der Situation

Wenn du dich bedroht fühlst, verlasse den Raum oder den Arbeitsplatz und rufe eine Vertrauensperson an. Bei unmittelbarer Gefahr wählst du den Notruf. Minderjährige sollten so schnell wie möglich Eltern oder eine andere sorgeberechtigte beziehungsweise vertraute erwachsene Person informieren.

Deine Sicherheit ist wichtiger als Höflichkeit, Anwesenheitspflicht oder die Sorge, einen schlechten Eindruck zu machen.

Dokumentiere konkrete Vorfälle

Ein Gedächtnisprotokoll hilft dir, die Situation zu erklären und Entwicklungen sichtbar zu machen. Notiere privat und sicher:

  • Datum, Uhrzeit und Ort,
  • beteiligte und anwesende Personen,
  • möglichst genaue Worte oder Handlungen,
  • deine Reaktion,
  • mögliche Zeuginnen und Zeugen,
  • Nachrichten oder E-Mails, sofern du sie rechtmäßig sichern kannst,
  • wem du den Vorfall wann gemeldet hast.

Bewahre keine vertraulichen Unternehmensdaten auf, die mit dem Vorfall nichts zu tun haben. Schreibe sachlich und trenne Beobachtungen von Vermutungen.

Die richtige Ansprechperson wählen

Wenn deine Betreuung nicht beteiligt ist und du dich dort sicher fühlst, kann sie der erste Kontakt sein. Andernfalls kommen infrage:

  • eine andere Führungskraft,
  • Personalabteilung oder Betriebs- beziehungsweise Personalrat,
  • Jugend- und Auszubildendenvertretung,
  • Gleichstellungs- oder Beschwerdestelle,
  • Lehrkraft, Schule, Hochschule oder Praktikantenamt,
  • Eltern oder eine andere Vertrauensperson,
  • externe Beratungsstellen.

Bitte eine Vertrauensperson, dich zu einem Gespräch zu begleiten, wenn du dich allein unsicher fühlst.

So kannst du das Problem ansprechen

Du musst keine perfekte Rede halten. Eine klare Schilderung reicht:

Am Dienstag und heute wurde ich vor dem Team mit den Worten … angesprochen. Ich empfinde das als abwertend und möchte, dass dieses Verhalten aufhört. Ich brauche Unterstützung dabei, wie wir jetzt weiter vorgehen.

Oder gegenüber Schule oder Hochschule:

In meinem Praktikumsbetrieb kommt es wiederholt zu Situationen, in denen ich mich nicht sicher und respektiert fühle. Ich habe die Vorfälle notiert und möchte besprechen, wie ich geschützt werde und ob ein Wechsel möglich ist.

Bei schweren Grenzverletzungen musst du die verursachende Person nicht zuerst selbst konfrontieren.

Solltest du bleiben oder abbrechen?

Ein Abbruch ist kein persönliches Scheitern. Wichtig ist, dass du nicht impulsiv und ohne Nachricht verschwindest, sofern keine unmittelbare Gefahr besteht. Beziehe die zuständige Schule oder Hochschule ein, prüfe den Vertrag und kläre, ob ein Wechselbetrieb oder eine Anerkennung der bereits geleisteten Zeit möglich ist.

Bleiben kann nur dann eine sinnvolle Option sein, wenn du geschützt bist, das Unternehmen verantwortlich reagiert und eine glaubwürdige Veränderung eintritt. Bloße Aufforderungen wie „Nimm es nicht so ernst“ lösen das Problem nicht.

Was du nicht tun musst

  • Du musst beleidigende Bemerkungen nicht als „rauen Ton“ akzeptieren.
  • Du musst aus Angst vor einem schlechten Zeugnis nicht schweigen.
  • Du musst nicht allein mit der beschuldigten Person sprechen.
  • Du musst keine vertrauliche Aussprache akzeptieren, wenn du Begleitung möchtest.
  • Du musst deine Gesundheit nicht für den Abschluss des Praktikums riskieren.

Häufige Fragen

Ist ein einzelner Vorfall schon Mobbing?

Mobbing bezeichnet meist ein wiederholtes oder systematisches Verhalten. Ein einzelner Vorfall kann trotzdem eine schwere Beleidigung, Diskriminierung oder Belästigung sein und sollte ernst genommen werden.

Was mache ich, wenn meine Betreuung selbst beteiligt ist?

Wende dich nicht allein an diese Person, wenn du dich dabei unsicher fühlst. Nutze eine andere interne Stelle oder gehe direkt zu Schule, Hochschule, Eltern beziehungsweise einer externen Beratung.

Kann ich wegen solcher Vorfälle das Praktikum wechseln?

Bei Schul- und Pflichtpraktika entscheidet die zuständige Bildungseinrichtung über Anerkennung und Wechsel. Melde dich deshalb früh, damit nicht nur der Abbruch, sondern eine sichere Fortsetzung organisiert werden kann.

Wichtig: Dieser Ratgeber bietet allgemeine Orientierung und ersetzt keine Rechtsberatung. Bei Gewalt, Bedrohung oder akuter Gefahr hole dir sofort Hilfe.


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