Praktikum auswählen
Praktikumsangebote vergleichen: So triffst du die richtige Wahl
Zwei Praktikumszusagen und nur eine Wahl: Vergleiche Lernchancen, Aufgaben, Betreuung, Arbeitsweg, Vergütung und Perspektiven systematisch.
Zwei Zusagen sind ein schöner Erfolg – und können trotzdem Stress auslösen. Das bekannte Unternehmen zahlt besser, der kleinere Betrieb verspricht spannendere Aufgaben. Ein Platz liegt in der Nähe, der andere passt genauer zu deinem Berufsziel. Eine gute Entscheidung entsteht nicht aus einem einzigen Kriterium, sondern aus der Frage: Wo kannst du das lernen, was du gerade herausfinden möchtest?
Die kurze Antwort
Lege zuerst dein wichtigstes Lernziel fest. Vergleiche dann Aufgaben, Betreuung, Feedback, Team, Arbeitszeit, Vergütung und Aufwand. Gewichte die Kriterien, statt nur Punkte zu zählen. Ein kleinerer Name mit klaren Aufgaben und fester Betreuung kann wertvoller sein als eine bekannte Marke, bei der deine Rolle unklar bleibt.
Schritt 1: Formuliere dein Entscheidungsziel
Ein Orientierungspraktikum verfolgt ein anderes Ziel als ein Praxissemester kurz vor dem Berufseinstieg. Vervollständige deshalb den Satz:
Nach diesem Praktikum möchte ich besser wissen oder können, …
Mögliche Ziele sind:
- einen Beruf realistisch kennenlernen,
- eine Branche testen,
- eine bestimmte Fähigkeit vertiefen,
- ein eigenes Projekt bearbeiten,
- Kontakte für den Berufseinstieg aufbauen,
- die Voraussetzungen eines Pflichtpraktikums erfüllen.
Bewerte die Angebote anschließend aus Sicht dieses Ziels.
Schritt 2: Vergleiche die Lernqualität
Die wichtigsten Kriterien eines guten Praktikums sind nicht Hochglanzbüro und Unternehmensgröße, sondern Aufgabengestaltung, Lernen, Feedback, Teamklima, Arbeitszeit, Betreuung und faire Rahmenbedingungen.
Aufgaben
Welche Tätigkeiten wirst du tatsächlich übernehmen? Gibt es Abwechslung und einen Bezug zu deinem Ziel? Darfst du selbst etwas erarbeiten oder beobachtest du nur?
Betreuung
Gibt es eine feste Ansprechperson? Hat sie Zeit für Fragen und Rückmeldungen? Wer übernimmt, wenn sie nicht verfügbar ist?
Feedback
Sind ein Zwischen- und Abschlussgespräch vorgesehen? Erhältst du Rückmeldungen zu deinen Arbeitsergebnissen oder werden Aufgaben nur abgegeben?
Team und Arbeitsumgebung
Wie war der Umgang im Gespräch? Konnten Mitarbeitende deine Fragen konkret beantworten? Ein gutes Teamklima lässt sich nicht sicher vorhersagen, aber Respekt und Vorbereitung sind wichtige Hinweise.
Schritt 3: Prüfe die Rahmenbedingungen
Auch das beste Lernangebot funktioniert nicht, wenn du es finanziell oder organisatorisch nicht bewältigen kannst.
Vergleiche:
- Zeitraum und Dauer,
- Wochenstunden und Arbeitszeiten,
- Arbeitsweg und Fahrtkosten,
- Vergütung und Zusatzleistungen,
- notwendige Unterkunft,
- Präsenz-, Hybrid- oder Homeoffice-Anteile,
- Urlaub und mögliche Fehlzeiten,
- Vertrag, Versicherung und erforderliche Nachweise.
Betrachte nicht nur die Vergütung. Ein weit entfernter Platz kann trotz höherer Zahlung unterm Strich teurer sein. Umgekehrt darf „Lernen ist wichtiger als Geld“ nicht bedeuten, dass du deine Lebenshaltung ignorierst.
Schritt 4: Gewichte statt nur zu zählen
Nicht jedes Kriterium ist gleich wichtig. Markiere drei Punkte als entscheidend, drei als wünschenswert und den Rest als Bonus.
Beispiel:
- Entscheidend: relevante Aufgaben, feste Betreuung, Anerkennung durch die Hochschule
- Wünschenswert: Vergütung, kurzer Arbeitsweg, eigenes Projekt
- Bonus: bekannte Marke, modernes Büro, Kantine
Ein Angebot, das ein entscheidendes Kriterium nicht erfüllt, sollte nicht durch viele kleine Vorteile „gewinnen“.
Schritt 5: Stelle offene Fragen
Bevor du dich entscheidest, darfst du nachhaken:
Vielen Dank für das Angebot. Bevor ich verbindlich zusage, würde ich gern noch verstehen, welche Aufgaben ich in den ersten Wochen übernehme und wer meine feste Ansprechperson sein wird.
Konkrete Antworten verbessern nicht nur deine Entscheidung. Sie schaffen zugleich eine Grundlage, auf die du dich später beziehen kannst.
Großer Name oder bessere Aufgaben?
Ein bekannter Arbeitgeber kann im Lebenslauf Aufmerksamkeit erzeugen. Er garantiert aber weder gute Betreuung noch anspruchsvolle Aufgaben. In einem kleineren Betrieb bekommst du möglicherweise breitere Einblicke und übernimmst schneller Verantwortung.
Frage dich: Was wirst du nach dem Praktikum konkret erzählen können? „Ich war bei Unternehmen X“ ist schwächer als „Ich habe eine Auswertung vorbereitet, Ergebnisse präsentiert und den Ablauf eines Projekts kennengelernt.“
Breite Orientierung oder roter Faden?
Beim ersten Praktikum darfst du ein Berufsfeld offen testen. Spätere Praktika sollten deine Richtung eher vertiefen oder sinnvoll ergänzen. Ein fachfremder Platz kann trotzdem passen, wenn du erklären kannst, welche übertragbare Erfahrung du dort sammelst.
Entscheidend ist nicht, dass alle Stationen gleich aussehen. Entscheidend ist, dass du ihre Verbindung nachvollziehbar erklären kannst.
Fair zu- und absagen
Bitte bei Bedarf um kurze Bedenkzeit und nenne ein verbindliches Rückmeldedatum. Sobald du dich entschieden hast, sage dem anderen Betrieb zeitnah und freundlich ab. Halte eine bereits verbindlich gegebene Zusage ein, sofern keine ernsthaften Gründe dagegensprechen.
Beispiel:
Vielen Dank für Ihr Angebot und das freundliche Gespräch. Nach sorgfältiger Abwägung habe ich mich für einen anderen Praktikumsplatz entschieden, der derzeit noch etwas genauer zu meinem Lernziel passt. Deshalb möchte ich Ihnen fairerweise zeitnah absagen.
Häufige Fragen
Soll ich das besser bezahlte Praktikum wählen?
Die Vergütung ist ein wichtiges Kriterium, besonders wenn du auf sie angewiesen bist. Vergleiche sie aber zusammen mit Aufgaben, Betreuung, Kosten und Lernchancen.
Wie wichtig ist der Unternehmensname?
Er kann später ein Gesprächseinstieg sein. Für deine Entwicklung sind konkrete Tätigkeiten, Ergebnisse und Lernfortschritte meist wichtiger.
Kann ich nach einer Zusage noch absagen?
Eine Zusage solltest du ernst nehmen. Wenn du aus wichtigem Grund zurücktreten musst, prüfe bestehende Vereinbarungen und informiere den Betrieb so früh und offen wie möglich.
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